Ein Expressionist auf dem Klausenpass

August Babberger, 1930.jpg Porträtfoto August Babberger, 1930

Der Maler August Babberger lebte und arbeitete auf der Balmalp

Von Dr. Andreas Gabelmann

August Babberger zählt zu den bedeutenden Vertretern des Expressionismus im deutschen Südwesten und in der Innerschweiz. 1885 in Hausen im Wiesental bei Lörrach geboren und 1936 in Altdorf gestorben, gehörte er zu Lebzeiten zu den wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten der Klassischen Moderne – heute ist er jedoch fast in Vergessenheit geraten.

In der 1910er Jahren entdeckte Babberger die Landschaft um den Vierwaldstättersee und auf dem Klausenpass als zentrale Inspirationsquelle für sein Schaffen. Regelmäßige Sommeraufenthalte führten den Maler ab 1916 in die Urner Alpen, wo er auf der Balmalp unterhalb des Hotels Klausenpasshöhe eine einfache Sennhütte als Atelier und Wohnstätte nutzte. Hier verwirklichte der bergbegeisterte Maler seine Idealvorstellung einer naturbezogenen Einheit von Leben und Kunst. Auf das unmittelbare Erlebnis der gewaltigen Natur reagierte er mit einer expressiv gesteigerten Bildsprache, geprägt von leuchtenden Farbkontrasten und radikalen Formsteigerungen. Auf der Balmalp fand der Direktor der Karlsruher Kunstakademie eine zweite Heimat – hier schuf er den größten Teil seiner kraftvollen Berglandschaften. Dort formierte sich Mitte der 1920er Jahre die kleine Künstlergruppe „Urner Kreis“, zu der auch die Babberger-Schüler Heinrich Danioth (1896-1953) und Erna Schillig (1900-1993) aus Altdorf gehörten. Die Eltern von Erna Schillig, die später Babbergers Mitarbeiterin und Lebensgefährtin werden sollte, führten damals das Hotel. Zusammen mit Erna Schillig schuf Babberger 1932 das außergewöhnliche Reisebuch „Vom Urnersee über den Klausenpass“, dessen eindringliche Texte und Holzschnitte heute den Frühstückssaal des Hotels schmücken. Wandbilder von Danioth sind u.a. im Altdorfer Tellspielhaus zu bewundern.

Viehherde auf der Balmalp, um 1920-25.JPG Viehherde auf der Balmalp, um 1920-25, Tempera auf Leinwand, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Neben den eindrucksvollen Berglandschaften, in denen meist das wuchtige Scheerhorn den Blick des Betrachters bannt, wirkte Babberger als Wandmaler und Glasfenstergestalter. Immer wieder suchte er die Zusammenarbeit mit modernen Architekten in Deutschland und der Schweiz, wie etwa mit Hermann Billing in Karlsruhe oder Armin Meili in Luzern. In Wolhusen bei Luzern malte Babberger Teile der reformierten Kirche aus.

Nach der Entlassung aus dem Karlsruher Lehramt als „entarteter“ Künstler durch die Nationalsozialisten im Juli 1933 zog sich Babberger mehr und mehr in die Bergeinsamkeit auf dem Klausenpass zurück. Seine Faszination für diese Landschaft mündete schließlich in umfangreiche Tagebuchnotizen von der Balmalp, die 2001 unter dem Titel „Das Paradies der Höhensucher“ im Altdorfer Gisler Verlag veröffentlicht wurden. Im September 1936 erlag August Babberger im Kantonsspital Altdorf den Folgen einer Kropfoperation. Noch heute kündet auf dem Altdorfer Friedhof eine Gedenktafel von seinem bedeutenden künstlerischen Vermächtnis mit den Worten: „Sein Werk ist eine Hymne auf den Kanton Uri“.

Bilder des Expressionisten August Babberger sind in vielen Museen in Süddeutschland und in der Zentralschweiz vertreten, so vor allem im Kunstmuseum Luzern, in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und im Museum am Burghof Lörrach. Zum 125. Geburtstag des Malers ist gegenwärtig (noch bis zum 3. Oktober 2010) die Ausstellung „August Babberger – Der badische Expressionist“ im Museum am Burghof in Lörrach zu sehen.

Literaturhinweise

Wolkenlandschaft am Klausenpass, 1920.JPG Wolkenlandschaft am Klausenpass, 1920, Tempera auf Leinwand, Deutsches Literaturarchiv Marbach a.N.

Andreas Gabelmann: August Babberger (1885-1936), Leben und Werk. Lit-Verlag Münster 2002

August Babberger – Ein Landschaftsmaler des Expressionismus. Ausstellungskatalog, Kunststiftung Hohenkarpfen, Hausen ob Verena 2000 (im Kiosk des Hotels Klausenpasshöhe erhältlich!)

August Babberger – Der badische Expressionist. Ausstellungskatalog, Museum am Burghof Lörrach 2010