Claridenstock

Ein Tourenbericht eines Skitourenfahrers des alpinen Sportvereins Uster.

 

Ich hatte nicht mitbekommen, dass wir mit dem Bähnli hinauffahren, drum hatte ich das Billett für das Postauto bis Klausenpasshöhe gelöst statt nur bis Argseeli. Das Geld wird mich noch ewig reuen, speziell wenn ich dran denke, dass ich am Morgen fürs Züritram eine Tageskarten stempeln musste, mangels Kleingeld.

Bei der Bergstation sind wir im Nebel, sehen kaum den Bauernhof. Wir wandern los, über Weidewege, von den Kühen gestaltet. Urs und Thomas stieren beide in den Boden, bis Regula die Jägerstöcke auf der andern Talseite zeigt, welche in einem Nebelloch erscheinen.

Der Weg zum Gemsfairen scheint viel weiter als im Winter auf Skiern. Wir sehen den Clariden vor uns, steigen weiter auf, oft mit Sonne aber der Himmel ist wolkenverhangen. Toni erklärt, wie wir laut Führer durch das Felsband kommen sollen - ein Gang schräg nach oben. Schon hat Urs den Weg, samt Steinmännli, gefunden.

Für das Firnfeld rüsten wir uns aus: Steigeisen, Gamaschen, Anseilgurt, Jacke. Regulas Eisen wollen nicht recht auf die wasserdichten Schuhe passen, welche sie sich eben für Island geleistet hat. Unterwegs müssen wir nochmals die Riemen straffen. Wir erreichen den Gipfel (2972 müM) doch. Viel ist ausgeapert auf dem Weg zum Claridenfirn, hinunter zur Hütte (2453 m) Die Spalten sind gut sichtbar, kein Problem. Aber die Hütte könnte schon weiter oben sein, das Stück müssen wir morgen wieder alles aufsteigen. Nudeln werden in schönen Holzbottichen serviert, dazu Gschnetzlets. Schade, nicht die Steinpilze und Butterröhrlinge welche die Glückspilze vom Nachbarstisch gefunden haben.

Morgens um 5 weckt der Taschen-Computer mit schwedischer Handorgel-Musik.

Um sechs geht es los, wir sehen den Tödi ins Licht kommen, dann geht die Sonne auf. Über den Claridenfirn - kein Problem. Der Bergschrund ist etwas mühsam, aber wir schaffen auch das. Schon um 10:30 sind wir auf dem Gipfel des Clariden (3267 müM), leider ohne Aussicht - Nebel. Nun klettern wir, gesichert durch das Seil, Richtung Klausenpass. Auch das - kein Problem.

Die Aussicht gibt es zum Mittagessen, vom Vorgipfel aus. Toni schaut dafür, das wir nicht zu lange rasten - hinunter! Nach dem Eiswändli dürfen wir wieder etwas essen, doch Toni mahnt zum Aufbruch, auch Sepp kommt ins Rudern! Eben sehe ich noch hinter einem Stein einen bedruckten Tuchbeutel, enthaltend eine leere Quarkschale und ein Taschenmesser. Auf der Klinge des Taschenmessers steht der Firmennamen "Bräcker". Ich nehme es mit - aber ich finde bis ins Jahr 2000 keinen Besitzer, drum verschenke ich das Messer, verwende den Beutel selbst.

Wir erwischen bequem das 14:08 Postauto. Die grosse Herausforderung kommt nun für die Stationsbeamtin in Linthal, das Umschreiben der Billette. Sie würde es vielleicht schaffen, aber der SBB-Computer mag nicht mitmachen.

Danke für die Tour, Toni!